Geschichtliches

- Ortsgeschichte -

Vor rund 10.000 Jahren setzte sich die Landwirtschaft in verschiedenen Kulturräumen der Erde unabhängig voneinander durch. Dies ließ nicht nur einen Teil der bisherigen Sammler, Jäger und Nomaden sesshaft werden, sondern ermöglichte auch das gemeinsame Siedeln an einem Wohnplatz, dessen Hauptfunktion die Landwirtschaft darstellte, dem Dorf (vgl. Hauptmeyer, C.-H: Das abhängige Dorf - eine historische Retrospektive, in Hauptmeyer, C-H. et at: Annäherungen an das Dorf, Hannover 1983).

Das Zusammensiedeln entsprang nicht nur dem menschlichen Bedürfnis nach Gemeinsam­keit, sondern diente vor allem dem Schutz der erarbeiteten Erträge und wiederzunutzenden Saatgüter. Landwirtschaft zwang zum gemeinschaftlichen, semipermanenten Siedeln.

Ungeklärt ist, ob die Fähigkeit zur landwirtschaftlichen Nutzung der Umwelt durch wandernde indo-europäische Völker nach Europa übertragen oder hier eigenständig entwickelt wurde.

Südniedersachsen wurde etwa seit Mitte des 5. vorchristlichen Jahrtausend gerodet und be­siedelt (Bandkeramiker - Südosteuropa). Die Ausbreitung erfolgte zunächst auf guten Böden, auf Löß. Das norddeutsche Flachland wurde erst im 3. Jahrtausend vor Christus besiedelt und zwar von den Erbauern der Großsteingräber (z.B. Grundoldendorf / Landkreis Stade, ca. 2875 v.Chr.).

Zunächst herrschte der Brandrodungsbau vor, der eine gute Bodenqualität für zwei bis drei Jahre gewährleistete. Dann wurde weiter gezogen und neu gesiedelt. Einzelgehöfte prägten die Siedlungsstruktur.

Mit der Bronzezeit (Metalle ab 1800 v. Chr.) veränderte sich die Bestattungsform von Steingräbern über Hügelgräber hin zu einer Einzelgrabkultur, möglicherweise unter dem Einfluss aus dem Osten zuwandernder Stämme (Mühle und Wagen waren erfunden, es gab Handel und Rohstoffgewinnung). Im Laufe der Bronzezeit setzte sich dann Brandbestattung (als vorherrschende Bestattungsform bis zur Christianisierung) durch.

Mit der Eisengewinnung (etwa ab dem 7. Jahrhundert v.Chr., aber noch technisches Problem) wurden die Menschen unabhängig von Rohstoffimporten.

Erst nach der Völkerwanderung (4. - 6. Jahrhundert n. Chr.) wurden die Germanen eigentlich sesshaft. Vorher hatten sie in Dorfgemeinschaften oder dorfähnlichen Gruppen meist im Sippenverband (Gewannfluren und Allmenden) gelebt. Es lassen sich Siedlungsräume nachweisen, die Wohnplätze wechselten jedoch häufig (durch Ausnutzung der Böden). Zwischen den Siedlungsräumen lagen aufgrund des Rodungsproblems ausgedehnte Waldflächen. Immer wieder beeinflussten auch Klimaveränderungen das Siedlungsgeschehen und führten zu Wanderbewegungen. Erst ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. ermöglichten Klimaverbesserungen dauerhafte Siedlungen.

Die erste Phase einer gelenkten Besiedlung erfolgte oft erst im 10. bis 12. Jahrhundert mit der karolingischen Kolonisation. Es entstanden Einzel- und Streusiedlungen um einen Her­renhof (Salhof). "Um 1100 waren nur Alt-Siedellandschaften in Kultur aufgenommen: hochwasserfreie Lagen der großen Flusstäler, Lößböden, Geestrücken" (Hauptmeyer, C.-H.: a.a.O., S.40).

Im Bereich des Landes Hadeln erfolgte eine Besiedlung durch die Sachsen erst gegen 1000 n.Chr.. Das betraf zunächst sicher nur die höheren Lagen, also das sogenannte Hochland (Altenbruch, Otterndorf, Lüdingworth, Nordleda, Neuenkirchen, Osterbruch).

Ab 1106: Im 12. Jahrhundert wird auch das Sietland (Wanna, Ihlienworth, Steinau

und Odisheim) besiedelt, es beginnt die planmäßige Kolonisation durch die Herzöge von Sachsen-Lauenburg und den Erzbischof von Bremen.

Die Schwemmsande der Flüsse von Bederkesa gewährleisten in trockenen Jahren gute Erträge. Die Lebensbedingungen sind jedoch aufgrund der tie­fen Lage - teilweise bis zu zwei Metern unter dem Meeresspiegel (Anmer­kung: Dabei lag das Land um 1200 etwa noch 2,50 m höher als heute. Dies ist teilweise durch die Absenkung der Küstenregion, aber auch durch den starken Torfabbau bedingt) - ausgesprochen schwierig. Im Winter, häufig auch im Sommer, ist fast der gesamte Bereich überflutet. Dadurch sind auch Missernten häufig. Die Höfe sind ärmlich, auf einfachen Würfen oder an Dämmen angelegt. Dennoch stehen auch sie zum Teil häu­fig unter Wasser. Straßen, besser Wege sind kaum vorhanden und Haupt­transportmittel ist der Kahn. Einige Hofstellen werden sogar in trockenere Lagen umgesiedelt (vgl. Grupe, H: Aus der Vergangenheit des Kirchspiels Odisheim, Dettenhausen).

12. Jh.               Das Sietland wird von der angrenzenden Geest aus mit Unterstützung niederländischer Sachkundiger geplant besiedelt. Die Urkunden des Mittelal­ters erwähnen fünf Kirchspiele, Oster-Ihlienworth und Wester-Ihlienworth, Wanna, Odisheim und Steinau (vgl.: Hrsg. Lembke: Kreis Land Hadeln, Ot­terndorf 1976).

1370                    die von Bederkesa verkaufen den Zehnten in Steinau an das Kloster Neuenwalde.

Dies ist die erste schriftliche Erwähnung Steinaus. Diese bedeutet jedoch meist nicht die Entstehung, sondern schon den Bestand eines Ortes. Die Gründung lag oft weiter zurück. Häufig war die Gegend bereits besiedelt.

Bis zum 9. Jahrhundert n. Chr. wurde die alte Feld-Gras-Wirtschaft (Zwei-Felder-Wirtschaft) abgelöst durch die Drei-Felder-Wirtschaft als Voraussetzung für konstante Siedlungen über lange Zeiträume. Durch die Umstellungen in der Landwirtschaft (Drei-Felder-Wirtschaft und damit verstärkten Getreideanbau) wuchs die Bevölkerung von 1100 bis 1350 fast auf das Doppelte an. Vermutlich entstanden deshalb aus den Einzelhöfen die späteren Orte.

"Die Dreifelderwirtschaft brachte ein bisher unbekanntes Aufeinanderangewiesensein der Bauern mit sich. Die Aufteilung der Parzellen innerhalb der Zeigen in jeweils gleichwertig der Hofgröße entsprechende Stücke verlangte den Flurzwang. Wenn auch jeder Bauer sein Land besaß, musste dennoch gemeinsam gesät und geerntet werden. Es bot sich an, zugleich das gesamte Dorfvieh auf die Brache und in die Gemeinheit / Allmende zu treiben, Wald und Heide gemeinsam zu nutzen" (Hauptmeyer, C.-H.: a.a.O., S. 42)

Um 1200              Entstehung der Reihensiedlung als Marschhufendorf Norderwester- und Süderwesterseite

1230                    gehören Ihlienworth und Süderleda kirchlich noch zu Lamstedt, während das übrige Land Hadeln dem Archidiakon von Hadeln und Wursten unter­stellt ist. Bis in die Neuzeit hat das Sietland einen eigenen Superintenden­ten. Der Thingplatz, das Gericht ist in Ihlienworth.

1245                    Die Kirche in „Stenove" = Steinau ist als sogenannte Sendkirche, wo ein bis zwei Mal jährlich der Archidiakon erscheint, um geistliches Gericht über die Pfarrkirchen und ihre Mitglieder zu halten, eine der älteren im Sietland. O-disheim war bis 1420 eine Filialkirche Steinaus.

14. Jhd.               Die ältesten Ortsteile Steinaus sind Westerseite und Lauentheil. Dabei bilden die Gebäude in Westerseite nicht eine gerade Linie, sondern sie orien­tieren sich an der Randlage des Moores.

Auch Lauentheil ist eine Hochmoorsiedlung und geht vermutlicht auf das Geschlecht der von Laue (eine Nebenfamilie der von Bederkesa) zurück. Steinau oder auch Steenlaue, wobei Stee = Hofstelle bedeutet und die Endung aus dem v.g. Geschlecht der Laues, Knappen der von Bederkesa, abzuleiten ist.

Als Siedlungsform herrscht in der Marsch das Straßendorf (auch Reihensiedlung) vor. Die Siedlungsbereiche Steinaus lassen sich als Straßendörfer bezeichnen. Zusätzlich bestimmen­de Elemente sind die bis heute Straßen begleitende Kanäle. In den Außengebieten prägen allerdings große Abstände der Gebäude untereinander und zur Straße zusätzlich die Besied­lungsstruktur. Anzunehmen ist eine planmäßige Kolonisierung. Diese ging oft von den Lan­desherren aus.

Lange Zeit führt das Sietland kirchlich und rechtlich ein Sonderdasein. Auch die Verwaltung, besonders die Entwässerung erfolgt weitgehend selbstständig.

1533                    entsteht die große Wettern, die das Wasser durch Steinau und Ihlienworth zur Medem führt. Steinau gehört zu den am meisten vom Überschwem­mungen betroffenen Gebieten.

1570                    wird die große Wettern verbreitert und vertieft.

15. Jh.               nach der Reformation entstehen in den meisten Kirchspielen Schulen für die heranwachsende Jugend. Die Otterndorfer Lateinschule (1455) unter­hält bis dahin etliche Nebenschulen.

Bis 1620              untersteht die Steinauer Schule dem Vikar, dann wird ein Schullehrer und Kirchspielschreiber angestellt.

1624                    wird eine neue Schule gebaut (Mühedeich).

1717                    die „große Flut".

ab 17. Jh.           Wird der Begriff „Sietland" geprägt (siedes = niederes, tief gelegenes Land). Das Hochland bildet in seiner politischen Vertretung den ersten Stand, das Sietland den zweiten und die Stadt Otterndorf den dritten (vgl. Rüther, H.: Die Geschichte des Landes Hadeln, Otterndorf1949).

Auf der kurhannoverschen Landesaufnahme von 1768 lassen sich bereits das Wegenetz -recht und links der Flusstäler von Aue und Gösche, die Ackerfluren - an den Kanten der Moore und den Grünlandfläche der Niederungen erkennen. Deutlich auch die Siedlungsstruk­tur, die der Findorff-Struktur gleicht. Unterschiedlich lange Hausdämme mit den entspre­chenden Vorweiden zur jeweiligen Hofstelle, je nach Baugrundverhältnis für eine geeignete Gründung. Nach Osten bildet eine Aufweitung der Gösche - der damalige Stinstedter See -die Grenze zu den Nachbargemeinden Stinstedt und Odisheim. Im Süden liegen die Seen an der Geestkante der Bederkesa- und der Flögener See mit den dazu gehörigen Ortslagen.

Kurhannoversche Landesaufnahme

Bis ins 18. Jahrhundert waren andere Dörfer in der Regel noch durch das Ordnungsprinzip der Abhängigkeit von Grundherren geprägt. Mehr als 80 % der Gesamtbevölkerung lebte haupt- und nebenberuflich von Tätigkeiten in der Landwirtschaft.

Danach kam es zu den ersten Agrarreformen. Während der Hungerjahre 1771/72 wurde in Europa die Ernährungskrise deutlich. Wollte man die rasch wachsende Bevölkerung ernäh­ren, so mussten die landwirtschaftlichen Erträge erhöht werden.

Das bedeutete für das Sietland, endlich die Überschwemmungsfrage zu lösen. Nicht die Er­höhung der landwirtschaftlichen Erträge, sondern deren Sicherung waren Thema. Verkoppelung und Auflösung der Allmenden spielten hier keine Rolle.

ca. 1830               die Planung wird durch mehrere ausgeprägte Regenzeiten angestoßen.

1834                    im Februar sind in Steinau und Odisheim nur einige Häuser wasserfrei. Die

Wintersaat ist gänzlich verdorben. Es folgen weitere Missernten. Die Hoch­länder haben eigene Probleme mit ihren Deichen zur Elbe und unterstützen wenig. Von der Realisierung eines Kanals erwarten sie wenig Nutzen.

 

Überschwemmung im Hadler Sietland 
65: Überschwemmung im Hadler Sietland — ein Thema, das seit einem halben Jahrhundert zum Glück der Geschichte angehört. (Um 1925 in Steina»)
Abb. :      Überschwemmungen (Quelle : Kreis Land Hadeln - Geschichte und Gegenwart)

1835                    wird die heutige Fachwerkkirche Steinaus gebaut. Der Vorgängerbau soll sich weiter südlich befunden haben (Mühedeich).

1837                    wird die Hadelnsche Sparkasse gegründet, aus der später (1932) mit etlichen Gemeinde-Sparkassen die Institution der Kreissparkassen hervorgeht.

1854                    erfolgt der erste Bauabschnitt des Kanals - von Otterndorf bis Bederkesa - er dient der Entwässerung des Sietlandes durch zahlreiche Schöpfwerke und der Schifffahrt.

1860                    folgt der zweite Abschnitt - Bederkesa-Geestemünde. Dadurch besteht eine kurze schnelle Verbindung von Bremerhaven an der Weser bis zur Elbe.

1884                    nach Erlass der preußischen Kreisordnung entsteht der Landkreis Hadeln mit Otterndorf als Kreisstadt im Regierungsbezirk Stade. Damit ist die weit­gehende Eigenständigkeit der freien Bauern des Hadelner Landes (Hadulo-ha = Kampfwald) abgeschlossen.

1932                    wird der Kreis Hadeln mit dem Kreis Neuhaus (ohne die Kehdinger Gemeinden) zum Landkreis Land Hadeln, weiterhin mit Kreissitz Otterndorf.

1954                    wird das Medemschöpfwerk in Otterdorf gebaut. Der Bau des Verbindungskanals zwischen dem Hadelner Kanal und der Medem und eines weiteren Schöpfwerks in Steinau sichern stabile Wasserstände.

1956                    Nach 1945 wuchs die Bevölkerung (zeitweise durch Flüchtlinge) stark an.

Ab 1956 sinkt die Bevölkerung durch die Umsiedlungsaktionen für die Ver­triebenen wieder. Der Landkreis beginnt, das Schulwesen neu zu ordnen. Zunächst erfolgt die Erweiterung des Schulkomplexes in Warstade.

1958                    aus den 87 (Kleinst-) Schulen im Kreis sollen 35 werden (Anmerkung: Tatsächlich wurden es bis 1967 29).

1959/60               wird die erste Mittelpunktschule im Landkreis in Ihlienworth gebaut.

1960                    Bis in die zweite Hälfte des 20. Jhd. spielt der Kanal eine bedeutende Rolle für die Binnenschifffahrt. Dabei wird auf den Wasserweg begleitenden Pfa­den getreidelt.

1962                    wird die Fahrbahn der Straße Steinau-Süderende aus Klinker befestigt.

1963                    nach dem Bau einer weiteren Mittelpunktschule in Wanna werden die örtlichen Grundschulen nach und nach aufgelöst.

1963-67               wird die Kreisstraße über Odisheim ausgebaut nachdem bereits 1960 die Brücke über den Kanal neu gebaut wurde.

1969-72               wird die Straße von Ihlienworth nach Steinau ausgebaut. Über Jahrhunder te war der Kahn im Sietland das (Haupt)Verkehrsmittel. Das Wegenetz fordert - nach wie vor - wegen der Bodenverhältnisse und den Wasserlasten erhebliche Kosten.

1970                    schließen sich die Gemeinden Odisheim, Steinau und Ihlienworth zur Samtgemeinde Sietland zusammen.

1972                    vergrößert sich die Samtgemeinde im Rahmen der Verwaltungsreformdurch den Eintritt der Gemeinde Wanna.

Im Landkreis werden vier Schuleinzugsbereiche definiert: Otterndorf, Ca­denberge, Hemmoor und Lamstedt. Dabei gehören zum Otterndorfer Schulzentrum die Grundschulen in Otterndorf, Ihlienworth (auch Steinauer Grundschüler), Neuenkirchen und Wanna.

1974                    entstehen nach dem Erlass des Niedersächsischen Schulgesetzes an den Schulzentren Orientierungsstufen, für Steinau in Otterndorf.

2011                    fusioniert die Samtgemeinde Sietland mit der Samtgemeinde Hadeln zur Samtgemeinde Land Hadeln.

2016                    fusioniert die Samtgemeinde Land Hadeln mit der Samtgemeinde Am Dobrock zur Samtgemeinde Land Hadeln.

 

Quelle: Dorferneuerungsplan Steinau 2007, Planungsbüro stadtlandfluss, Horneburg

2017  Steinau Niedersachsen